Über teacheridoo

Ich bin auf dem Weg. In eine bessere Welt. - Also, das hoffe ich. Vielleicht bin ich auch auf dem Weg, die Welt zu verbessern. Wer weiß das schon. Wichtig ist nur: ich bin auf dem Weg. Der wiederum ist arg steinig. Weswegen ich froh bin, wenn es vorbei ist. Das Studium.

Geschützt: Motivation olé!

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Referendariat in SH

So, extra für Lotta hier mein Beitrag zum Ref in SH. Ich versuche dabei so neutral zu bleiben, wie es mir unter den gegebenen Umständen möglich ist. 😉

– SCHULE –
Ab Tag 1 unterrichtet man durchschnittlich 10 Wochenstunden.
8 Wochenstunden erfolgen als eigenverantwortlicher Unterricht (= alleine), 2 Stunden sind von den Mentoren begleitet, also pro Fach ein Mentor, der sich pro Woche eine Stunde ansieht.
Daneben hospitiert man pro Woche je eine Stunde im Unterricht der beiden Mentoren.
Hinzu kommen die Mentorenstunden (pro Fach eine), in denen man die von den Mentoren gesehenen Stunden bespricht, Feedback erhält sowie Tipps.
Ansonsten nimmt man eben vollumfänglich am Schulleben teil.

– SEMINARE –
Mittwochs ist Seminartag. Man nimmt an Seminaren zu beiden Fächern sowie Pädagogik teil. Diese rotieren gleichmäßig durch, also ein Mittwoch im Monat Fach 1, ein Mittwoch im Monat Fach 2 und dritter Mittwoch Pädagogik. Damit bleibt ein Mittwoch im Monat zur freien Verfügung.
Die Seminare werden gestaltet von den sog. Studienleitern. Die Studienleiter von Fach 1 und Fach 2 sind automatisch auch die späteren Examensprüfer. Diese begleiten einen von Anfang bis Ende.
Man hat bei der Zuteilung zu diesen Studienleitern kein Mitspracherecht! Dies erwähne ich extra, da ich mir bei Twitter, als die ersten Probleme mit meinen Studienleitern auftraten, den Spruch „Augen auf bei der Seminarwahl“ anhören musste. – Man hat keine Wahl. Es erfolgt eine automatisierte Zuteilung, u.a. nach Region und Kapazitäten.

– UNTERRICHTSBESUCHE –
Die Studienleiter führen auch die sog. „Ausbildungsberatungen“ durch. Bei diesen wird nicht bewertet, sondern, so besagt es die Prüfungsordnung, „kollegial beraten“. Man zeigt seine Stunde, reflektiert anschließend eigenständig, ob die Hauptintention erreicht wurde, was gelungen war und wo man wie nachbessern würde, dann erfolgt die Rückmeldung des Studienleiters, das ganze wird schließlich schriftlich kurz dokumentiert und ein Beobachtungsschwerpunkt für die folgende Beratung vereinbart.
In den Fächern selbst erfolgen je 3 Beratungen, in Pädagogik nur 2.
Für jeden Unterrichtsbesuch ist ein ausführlicher Stundenentwurf anzufertigen, in dem die folgenden Bestandteile benannt oder ausführlich dargelegt werden: Thema der Einheit und der Stunde, Hauptintention, Aufbau der Unterrichtseinheit, zusätzlich angestrebte und zu fördernde Kompetenzen, Darstellung der Lerngruppe/Unterrichtlichen Voraussetzungen, Didaktische Entscheidungen, Methodische Entscheidungen, Stundenraster sowie sämtliches Material.

– MODULBESUCHE –
Die Seminare werden auch als Module bezeichnet. Modulbesuche bedeuten nichts anderes, als dass das gesamte Seminar mittwochs an der eigenen Schule zu Besuch ist und man dieses bewirtet sowie vor dem gesamten Seminar eine Stunde in einer eigenen Klasse zeigt.
Von diesen Modulbesuchen absolviert man während des Referendariats insgesamt 3 Stück (Fach 1, Fach 2, Pädagogik).

– PORTFOLIO –
Während des Referendariats ist ein Portfolio im Umfang von 10 Seiten reinen Texts anzufertigen, in dem man für jedes Semester die eigene Lehrtätigkeit darlegt und reflektiert.

– HAUSARBEIT –
Im zweiten Semester ist eine Hausarbeit im Umfang von etwa 20 Seiten zu verfassen, in der unter einer selbstgewählten Problemstellung eine Unterrichtseinheit geplant und durchgeführt und diese anschließend in der Hausarbeit evaluiert wird:
Alternativ kann man hier in SH das DAZ-Zertifikat machen. Man „opfert“ ein Semester lang alle freien Mittwoche für ein DAZ-Seminar und schreibt am Ende eine Klausur. (Das war meine Wahl, da ich Hausarbeiten-Schreiben hasse. ;-))

– EXAMEN –
Der Examenstag verläuft folgendermaßen:
1) Unterricht
a) Man zeigt nacheinander zwei Unterrichtsstunden, je eine in Fach 1 und Fach 2. Eine Stunde findet in SekI und die andere in SekII statt. (In welchem Fach man welche Sekundarstufe zeigt, ist einem selbst überlassen.)
b) Nach einer kurzen Pause trifft man mit dem Prüfungskommittee zusammen und reflektiert die beiden gezeigten Stunden.
c) Anschließend beraten sich die Prüfer und man erhält die Info, ob die Prüfung an diesem Punkt beendet ist oder es weiter geht. –> Werden beide Stunden mit „mangelhaft“ oder eine mit „ungenügend“ bewertet, gilt die Prüfung als nicht bestanden und die weiteren Prüfungsteile entfallen.

2) die „PFDS-Aufgabe
Man erhält ein Fallbeispiel aus dem Bereich Pädagogik, Fachdidaktik, Diagnostik oder Schulentwicklung, hat dann 30 Min Vorbereitungszeit, um in den nachfolgenden 30 Minuten zu diesem Fallbeispiel geprüft zu werden.

3) Prüfungsgespräch zum Portfolio
Auf Basis des erstellten Portfolios erfolgt ein 45-60minütiges Gespräch zur Lehrtätigkeit insgesamt sowie zum Schul- und Dienstrecht.

Insgesamt geht dieser Prüfungstag mit allen Teilen und Pausen und Besprechungen der Prüfer von ca. 8-15 Uhr.

Die Abschlussnote errechnet sich aus:
– Hausarbeit/DAZ 20%
– Dienstliche Beurteilung 25%
– Erste Unterrichtsstunde 15%
– Zweite Unterrichtsstunde 15%
– PFDS-Aufgabe 10%
– Prüfungsgespräch 15%


In der Theorie finde ich den Aufbau des Referendariats erstmal gar nicht schlecht.

Dass die Prüfer einen von Anfang an begleiten, hat in der Theorie Vorteile: Ein Prüfer kann die Entwicklung insgesamt verfolgen. Nachteilig wird das, wenn „die Chemie“ nicht stimmt und keiner der Beteiligten das zugeben kann. Zumal man als Ref nicht darüber aufgeklärt wird, dass die Möglichkeit eines Studienleiterwechsels überhaupt besteht.

Dass es sich bei den sog. „Ausbildungsberatungen“ nur um „kollegiale Beratungen ohne Bewertung“ handeln soll, ist gut gemeint. Leider kann es dazu führen, dass man blind in sein Verderben rennt und es nicht mal ahnt. Es werden ja keinerlei Noten geäußert, nicht mal eine Notentendenz. Die Studienleiter sind zwar gehalten, die Stundenbesprechung so transparent zu halten, dass allen Beteiligten klar ist, wo der Ref steht, aber in der Praxis…nunja.

Sehr bedauerlich finde ich, dass die Studienleiter für Pädagogik an der Examensprüfung später keinerlei Anteil haben. Das hat während der Dauer des Referendariats den Vorteil, dass durch die entfallende Bewertungssituation die Stimmung insgesamt entspannter ist, aber je nachdem, wie man es bei den Fach-Studienleitern getroffen hat, wäre ein pädagogisch ausgerichtetes Auge eben doch nochmal ganz nett…

Fairerweise muss ich aber auch einräumen, dass mir all diese Kritikpunkte wohl nicht in den Sinn kämen, hätte ich von Beginn an die beiden Studienleiter gehabt, die ich aktuell habe. Denn diese beiden setzen die Theorie in die Praxis um, sind freundlich, wertschätzend, respektvoll und beraten kollegial und transparent.

Ungünstig finde ich den Start in das Referendariat, also den ungeschonten Einstieg mit gleich 8 eigenverantwortlich zu haltenden Stunden. Mich hat das damals überfordert. Ich finde das auch den Schülern gegenüber nicht fair, dass ein Newbie auf sie losgelassen wird. (Ich finde auch diese Nulltsemester-Geschichte eine unbegreifliche Sache. Entweder benötigt man das 2. StEx zur Lehrbefähigung, dann kann ich nicht Leute mit 1. StEx auf die Schüler loslassen. Oder aber das 1. StEx reicht aus, dann können wir alle uns das Referendariat sparen…)

Was die Examensprüfung betrifft, stört mich diese schiere unüberblickbare Menge, die da auf Abruf bereit stehen soll. Es wird erwartet, dass man die Fachanforderungen in- und auswendig kennt, ebenso das Schul- und Dienstrecht, zudem Fachdidaktik in allen Bereichen, etc. pp.
Zu Beginn meines Referendariats hieß es noch, man lege über die Themenschwerpunkte im Portfolio die Weichen für das Prüfungsgespräch. In den letzten beiden Semestern kristallisierte sich jedoch heraus, dass dem nicht so ist bzw. das sehr prüferabhängig ist. Einige Prüfer halten sich ans Portfolio, andere fragen gezielt nach nicht enthaltenen Themen („Sie haben ja gar nichts geschrieben zu…. Erzählen Sie doch mal…“). Inzwischen geben die Studienleiter auch offen zu, dass das so gemacht wird.

Was ich insgesamt sehr kritisch finde, ist die Allmacht, die man den Studienleitern zugesteht. Solange diese im Examen keine formalen Fehler begehen, können sie tun und lassen, was sie wollen, und sind dabei absolut unangreifbar.