1. Halbjahr als LiV – I’m a survivor ;o)

Das neue Schuljahr steht regelrecht vor der Tür. Das ist nicht zu übersehen (wenn ich das denn überhaupt könnte): Seit Anfang dieser Woche trudeln in schöner Regelmäßigkeit dienstliche Nachrichten ein. Seminarleiter teilen Modul- und Ausbildungsberatungstermine mit. Es gibt dienstliche Infos zu allerlei Krimskrams. – Leider bisher nicht das, was mich brennend interessiert: Der Stundenplan. Ohne den kann ich die ersten Stunden nicht wirklich konkret planen. Da die Planung bei mir noch so viel Zeit in Anspruch nimmt, hätte ich das gerne zeitig in Angriff genommen…

Da ich, wenn das Halbjahr wieder begonnen hat, so schnell nicht wieder die Zeit zu bloggen finde, ist es eben jetzt an der Zeit, das vergangene und für mich erste Halbjahr als LiV Revue passieren zu lassen:

  • Ich habe mehrfach erwähnt, dass ich eine großartige Schule erwischt habe. An diesem Empfinden hat sich nichts verändert, ganz im Gegenteil. Das Kollegium ist in der Mehrzahl großartig. Sehr hilfsbereit. SEHR hilfsbereit. Mail an die Fachschaft wegen der Suche nach Material? Es treffen binnen weniger Stunden (!) mindestens (!) 5 Rückmeldungen von Kollegen ein, die mir anbieten, mir in vollstem Umfang Material zur Verfügung zu stellen, auch langfristig zu leihen. Im Verlauf weiterer 24h trudeln dann nochmal 5 solcher Angebote ein. Ich bin überfordert mit der Planung einer Projektwoche? Kollegen nehmen sich Zeit, setzen sich mit mir zusammen, bringen mir Material mit inkl. ausführlicher Listen wichtiger/hilfreicher Kontakte. Ich lasse fallen, dass ich fürs kommende Schuljahr zeitig Klassenarbeiten und Tests planen will? Der Kollege eilt mit mir ins Lehrerarbeitszimmer und nun ist mein USB-Stick gefüllt mit vorgefertigten Klassenarbeiten und Tests, passend für meine Klasse für kommendes Schuljahr. In meinem Arbeitszimmer steht eine Tasche voller Hefte und Bücher mit Material für den Unterricht bei meinen Kleinen. (Als ich das alles noch vor den Ferien wieder zurückgeben wollte, hieß es, ich könne das ruhig solange behalten wie ich es brauchen kann.) Auch Hospitationen bei Kollegen sind NIE ein Problem. Das kenne ich von anderen Schulen anders (wo sich einige Lehrkräfte regelrecht winden, wenn sie gefragt werden, ob man mal mitkommen dürfe).
    Natürlich gibt es immer auch Kollegen, mit denen man nicht gut auskommt. Aber da geht man sich eben aus dem Weg. Glücklicherweise ist das Kollegium groß genug, dass man nicht zwingend aufeinander angewiesen ist.
  • Auch der Mentorenwechsel, der mir ziemliche Bauchschmerzen bereitet hatte, erwies sich letzten Endes als gut, auch wenn ich dafür aus meiner Komfortzone raus musste – aber in der lernt man eh nicht viel.
  • Meinen Schulleiter würde ich glatt als „perfekt“ bezeichnen. Ich wüsste nicht, was er besser machen könnte. Wirklich nicht. Er ist präsent, er ist immer (!) ansprechbar, er hat einen klaren Blick für das Geschehen im Schulalltag und versucht immer, Rücksicht auf die Belange aller zu nehmen, weiß aber auch Grenzen zu ziehen und mal ein deutliches Wort zu sprechen, wo es nötig ist. Humor hat er obendrein auch noch. Was will man mehr?
  • Die Schülerschaft ist höchst angenehm, soweit ich das bislang einschätzen kann. Mir ist natürlich auch klar, dass ich mit den bislang …*durchzähl* …7 Klassen (nur die gezählt, die ich mehrfach habe erleben dürfen) noch keinen umfangreichen Überblick habe. Generell habe ich bisher großes Glück gehabt, vor allem mit meinen eigenen Klassen. Keine echten Reibereien, keine Mobbereien. Stattdessen durchgängig sehr manierliche, weil gut erzogene Kinder und Jugendliche, die spätestens auf persönliche freundliche Ansprache positiv reagieren. Kurzum: Ich hatte noch nichts auszustehen. Das verklärt den Blick natürlich.😉
  • Mit den Seminarleitern bin ich eigentlich sehr zufrieden. Ich komme mit allen zurecht. Mit einer fühle ich mich sehr auf einer Linie, was die Zusammenarbeit und vor allem die Ausbildungsberatungen sehr angenehm macht. Da sie meine Seminarleiterin in meinem „Wackelfach“ (also dem Fach, das mir persönlich größere Schwierigkeiten bereitet), ist das sehr angenehm. Aus ihren Ausbildungsberatungen gehe ich immer sehr motiviert heraus, da sie zwar alle kritischen Punkte anspricht, das aber sehr angenehm vermittelt. Es ist Hilfestellung, keine Vernichtung. Also auch in diesem Punkt: Glück gehabt. Eine ist mit Vorsicht zu genießen, aber wir kommen miteinander aus. Eine andere finde ich in Ausbildungsberatungen zwar unangenehm, dafür lernen wir in ihren Seminaren tolle Methoden kennen. Und die letzte im Bunde versorgt uns LiVs mit praxisnahem Material. – Ich gehe jedes Mal total glücklich aus ihrem Seminar heraus.
  • Ein echtes Problem stellt bisher die Sache mit der Arbeit zuhause dar. Es ist sehr schwierig, meinem privaten Umfeld klar zu machen, dass „zu Hause arbeiten“ auch ARBEIT bedeutet. Und nicht etwa „Kannst du mal eben…?“ Für mich selbst ist das schon schwierig genug. Stehen wichtige Dinge an oder ergeben sich, bin ich natürlich geneigt „das mal eben zu erledigen“, weil „…wenn ich denn schon eh zuhause bin“. Da muss ich noch einen Weg finden…

Und was erhoffe ich mir für das anstehende Schuljahr?

  • Mein Wochenarbeitspensum herunterschrauben zu können. Das war einfach nicht gesund, wie das im ersten Halbjahr lief…
  • Dass ich auch das Jonglieren mit der Unterrichtsplanung für jetzt drei verschiedene Klassen wuppen werde.
  • Dass ich meine Korrekturzeiten verringern kann. (An einer meiner ersten Klassenarbeiten habe ich so lange herumkorrigiert, dass die Kollegen schon witzelten, ob ich die Arbeiten auswendig lerne)
  • …dass ansonsten alles so schön bleibt, wie es im ersten Halbjahr gewesen ist.🙂

Ernüchterung

…hat sich breitgemacht. Sofern neben Hektik und Stress und Zeitmangel noch Platz für Ernüchterung ist. Das Ref hat mich auf voller Breitseite erwischt, nachdem ich die ersten Wochen noch glückselig durch die Schulgänge schwebte.

– Nein, am Beruf liegt es (bislang) nicht. Es ist wirklich „nur“ das Ref. Mit seinen mühsam abgequält geplanten Stunden. Mit den gefühlt dreihundert Gestalten, die an mir herumzerren und mir zusätzliche Aufgaben aufbürden, obwohl ich mit dem eigentlichen Schulalltag bereits voll ausgelastet bin. Ich fühle mich wie ein Jongleur, der mit aktivierten Handgranaten jongliert…
(Aktuell muss ich irgendwie in Einklang bringen, dass mich im Juni drei Seminarleiter im Unterricht sehen wollen; ich aber im Juni auch noch zwei Klassenarbeiten unterbringen muss, auf die ich hinarbeiten muss (die abzuliefernden *magic lessons* für die Unterrichtsbesuche sind ja leider meist ein zwar beeindruckendes Methodenfeuerwerk, aber wenig hilfreich für die nahende Klassenarbeit), die ich also irgendwie sinnvoll um die Unterrichtsbesuche herumdrapieren muss, sodass noch Zeit zur Korrektur bleibt, da der Notenschluss naht; ich aber auch nicht die Stunde direkt nach einer Klassenarbeit vorführe, aber ebenso wenig die letzte Stunde vor einer Klassenarbeit. Dass in Kürze eine Woche Unterricht ausfällt wegen mündlichen Abiturs und der Notenschluss direkt daran angrenzt, macht die Planerei nicht einfacher. Zeitgleich nerven Seminarleiter herum, ob man denn schon das Selbststudium des Sonderschulpädagogikmoduls begonnen hätte, dessen Deadline ja am Tag X droht.
– Mit den dreihundert Gestalten sind übrigens keine SuS gemeint und auch keine Kollegen, generell niemand aus meinem direkten Schulumfeld. Viel eher sind es die SeminarleiterInnen und alle sonstwie auf dieser Ebene mit der Ausbildung der Refs befassten Menschen, die regelmäßig mit neuen „lustigen“ Aufgaben und Anforderungen um die Ecke kommen. Bitte alles direkt. Bitte alles wichtig. Prio 10 auf einer Skala von 1 bis 10, und zwar Prio 10 für alles. – Und ich hatte gedacht, das Studium sei unkoordinierter Stress pur…

Ja, erfasst, ich gehöre zu den Refs, die nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht, weil alles Terminsachen sind, wirklich alles, und ständig noch irgendwas Neues hinzukommt, bis da plötzlich feist und bräsig ein unkoordinierbarer Berg an Arbeit herumfläzt. Für alles, was man erledigt, rückt was Neues nach. Der gute Sisyphos lässt grüßen…

Was die Langzeitplanung betrifft, die zügigst anzugehen uns ja an den Einführungstagen so vehement gepredigt wurde: Die habe ich kürzlich, da ich mich – oh Wunder – irgendwie endlich mal für einen kurzen Moment freigeschaufelt hatte und die Zeit erübrigen konnte, aufgenommen, bin aber schon jetzt geneigt, sie wieder ad acta zu legen. Bislang nämlich wurde jede Langzeitplanung binnen kurzer Zeit wieder zunichte gemacht, sodass ich letzthin doch nur alles wieder über den Haufen schmeißen und von vorne beginnen durfte, was dann irgendwann auch keine Freude mehr bereitet.

Da es derzeit auch an echten Erfolgserlebnissen mangelt, nimmt die Demotivation tagtäglich zu. Nebst Trotz, weil ich einfach nicht einsehe, nur noch, und zwar ausschließlich, für das Ref zu leben.

Dass ich grundsätzlich tagtäglich erschrocken darüber bin, wie die Lehrerausbildung vonstatten geht, macht es auch nicht besser.

Nützt aber alles nichts. Es gilt: Augen zu und irgendwie durch da.

Snippets

Der letzte Blogeintrag ist wieder lang her und ich mag zwischendurch wenigstens kurze Einblicke geben.

* Ich liebe „meine“ Kleinen.❤ Die dürfen gar nicht wissen, wie viel ich ihnen insgeheim verzeihe, obwohl ich eher streng mit ihnen bin. ;o)

* …ich glaube, sie lieben mich auch ein klein bisschen. Nur so ein Gefühl. ;o)

* Die Erfahrung, einen doll schluchzenden Stöpsel (wegen verhauener Klassenarbeit mit entsprechender Note) beruhigen und wieder motivieren zu müssen, habe ich inzwischen auch machen dürfen – und (nicht nur) nach meiner Einschätzung erfolgreich absolviert.

* In den kommenden Wochen muss ich erstmals mündliche Noten besprechen. Das Festlegen jener fällt mir unfassbar schwer. Natürlich weiß ich, wer viel mitarbeitet und wer nicht. Wer immer engagiert dabei ist und wer sich eher passiv bis störend verhält. Schwer fällt mir aber, wenn ich nun anhand der Qualität der Unterrichtsbeiträge Abstufungen vornehmen soll. Diese grundsätzliche Beurteilung der Qualität fällt mir schwer, ganz zu schweigen davon, sich da später auch noch dran zu erinnern.

* Mit den Kleinen läuft es so gut, dass die Feedbackstunde mit meinem Mentor inzwischen zum entspannten Kaffeepäuschen geworden ist. :o)

* Meine Mittelstufler mag ich wirklich gerne, aber so richtig warm werde ich weder mit dem Unterrichten dort noch mit dem dort unterrichteten Fach. – Inzwischen frage ich mich insgeheim, ob die Laufbahn fürs Grundschullehramt (gegen die ich mich immer gesträubt habe, weil ich nicht glaube, mit *so* kleinen Kindern wirklich gut umgehen zu können) nicht doch die bessere Wahl gewesen wäre.

* Mich fuchst aktuell falsche Rücksichtnahme, die man mir gegenüber in einer Sache hat walten lassen und die dazu führte, dass ich mich recht lange in falscher Sicherheit wog; mich ausnahmsweise mal sicher wähnte und es endlich mal abstellen konnte, mir permanent einen Kopf zu machen. Umso unerwarteter traf es mich also, als herauskam, dass es eben doch Probleme an einer Stelle gibt.

* …was ist das nur, dass Mittelstufler (vor allem, wenn man nur als Vertretung zeitweise dort unterrichtet) einen mit diesem unfassbar leeren Blick anstarren und auf nichts reagieren? Ich kann es einfach nicht einordnen. Manchmal möchte ich winken und fragen, ob da oben jemand zuhause ist. Stattdessen versuche ich, die Stimmung etwas aufzulockern, in dem ich schmunzle und leicht flachsend sage: „Redet bitte mit mir.“ – Aber nicht mal das bringt was. Mentor 1 lachte und versicherte, dieses Phänomen selbst auch zu kennen. Mz.

* Der Arbeitsaufwand im Ref ist enorm und ich schaffe nie ansatzweise, was ich glaube, schaffen zu müssen. – Ich muss aber auch zugeben, dass ich nicht geneigt bin, mein komplettes Leben nur noch auf das Ref auszurichten.

* Die berühmt-berüchtigten Fachseminare erlebe ich in der Mehrheit als sehr konstruktiv und sehr hilfreich. 8,5h Dauerberieselung sind natürlich per se anstrengend, umso froher bin ich daher, dass wir von den Seminarleiterinnen mit sehr viel hilfreichem Input, Tipps und auch Material versorgt werden.

* …als destruktiv und kontraproduktiv erlebe ich in den Fachseminaren eher einige Mitreferendarinnen, die ihre akute Unlust sehr offen zur Schau stellen, aus Prinzip alles sch… finden und über die Seminarleitung lästern, sobald diese mal nicht anwesend ist. ;o( Glücklicherweise betrifft das in extremen Ausmaßen bisher nur eines von drei Seminaren.

* Erlebt habe ich inzwischen auch, dass man im Rahmen eines Fachseminars den Unterricht eines Kommilitonen an einer Gemeinschaftsschule beobachtet, das ganze dann aus seiner rosaroten Seifenblase heraus bewertet und erst später in einem sich zufällig ergebenden Gespräch mit dem Kommilitonen feststellt, wie sich die Schülerschaft dort eigentlich zusammensetzt (überwiegend Hauptschule, 95% der SuS mit sehr problematischen Hintergründen), was der Kommilitone dort eigentlich leistet und wie wenig gerecht man ihm geworden ist bei der anschließenden Unterrichtsbewertung. ;o( – Nicht falsch verstehen: Es ist nicht so, dass er schlimme Kritik hätte einstecken müssen. Wir sind alle nett miteinander. Dennoch kann man eben manche Schülerschaften nicht miteinander vergleichen und dementsprechend auch nicht gleiche Maßstäbe anlegen.

* Cornelsen als Schulbuchverlag nervt mich unfassbar, genauer gesagt, die Lehrwerke sowie sonstige Materialien. Immer wieder Fehler, immer wieder reichlich unnütze Aufgabenstellungen, etc.

So, ich habe unter Garantie die Hälfte all dessen, worüber ich bloggen wollte, vergessen und all das Vergessene fällt mir gleich nach dem Absenden wieder tröpfchenweise ein. ;o) Aber ich mache jetzt Feierabend. Habt ein schönes Wochenende!

Ich lebe noch!

…wollte ich wenigstens einmal kurz verlauten lassen. ;o)

Ich lebe noch. Ich bin noch dabei, soll heißen: ich habe das Ref noch nicht abgebrochen und sehe derzeit auch keine Veranlassung dazu. Ganz im Gegenteil bin ich derzeit sehr glücklich. Tolle Schüler, tolle Kollegen, tolle Mentoren, tolle Schulleitung, tolle Sekretärinnen, tolle Hausmeister. Kurzum: Rundum alles toll – so toll, dass ich es kaum fassen kann. Dafür bin ich eh schon dankbar, aber noch dankbarer, seit ich mitbekomme, wie es bei anderen Referendaren an deren Schulen läuft.

In Fach 1 bei den Kleinen bin ich definitiv gut gelandet, gut angekommen, das fluppt. In der letzten Feedbackstunde wusste mein Mentor rein gar nichts zu kritisieren, sondern hob stattdessen nur vier Positivpunkte hervor.
In Fach 2 bei den Mittelgroßen muss ich mich etwas durchbeißen, bin aber auf einem guten Weg mit erkennbaren Verbesserungen in kurzer Zeit.

Den ersten Elternkontakt wegen eines Schülers mit Problemen habe ich, denke ich, ebenfalls erfolgreich gewuppt und den ersten Kurzauftritt auf einem Elternabend ebenso.

Ich wünschte, ich könnte mehr erzählen, aber da scheitert es dann an der von mir bevorzugten Anonymität, von der Verpflichtung zum Schweigen ganz abgesehen. So oder so fehlt mir die Zeit, so richtig regelmäßig über alles zu bloggen, was mich gerade beschäftigt. Die 50h-Woche ist derzeit mein treuer Begleiter.

Noch vor den Osterferien absolviere ich meinen ersten Unterrichtsbesuch, danach falle ich in die doch recht sehnsüchtig erwarteten Osterferien.

Momentan kann ich nur sagen: Hoffentlich bleibt es so.🙂

Liebe Grüße an euch alle!